Person von hinten filmt mit dem Smartphone eine beleuchtete Bude auf einem abendlichen Weihnachtsmarkt

Videos bei wenig Licht: so gelingen Aufnahmen in der dunklen Jahreszeit

Person von hinten filmt mit dem Smartphone eine beleuchtete Bude auf einem abendlichen Weihnachtsmarkt
Beleuchtete Buden bieten beim Filmen im Dunkeln das beste Licht.

Im November wird es früh dunkel, und genau dann beginnt die Zeit, in der viele Menschen besonders gern filmen: Laternenumzüge, Adventsnachmittage, der erste Weihnachtsmarkt oder Familienfeiern im Kerzenschein. Wer diese Momente mit Smartphone oder Kamera festhält, stellt allerdings schnell fest, dass Videos bei wenig Licht oft verrauscht, unscharf oder farblich seltsam wirken. Mit ein paar Grundlagen lässt sich das deutlich verbessern.

Warum wenig Licht für Kameras schwierig ist

Jeder Bildsensor braucht Licht, um ein sauberes Bild zu erzeugen. Fehlt es, versucht die Kamera auf verschiedene Weise auszugleichen: Sie verstärkt das Signal, öffnet die Blende weiter oder verlängert die Belichtungszeit pro Bild. Jede dieser Maßnahmen hat Nebenwirkungen.

  • Höhere Verstärkung (ISO) führt zu sichtbarem Bildrauschen, also körnigen Flächen und Farbflecken.
  • Offene Blende verringert die Schärfentiefe, sodass nur ein schmaler Bereich scharf ist.
  • Längere Belichtung lässt Bewegungen verwischen, weil sich Motiv oder Kamera während der Aufnahme eines Bildes bewegen.

Zusätzlich arbeiten Kompressionsverfahren bei verrauschtem Material weniger effizient. Das Rauschen wird als Detail behandelt, und dunkle Flächen können blockig oder fleckig erscheinen.

Vorhandenes Licht klug nutzen

Der einfachste Schritt kostet nichts: Licht bewusst suchen. Statt ein Kind mitten im dunklen Raum zu filmen, lohnt es sich, die Szene näher an eine Lampe, ein beleuchtetes Fenster oder eine Lichterkette zu verlegen. Auf dem Weihnachtsmarkt bieten hell erleuchtete Buden deutlich bessere Bedingungen als die dunklen Wege dazwischen.

Ideal ist Licht, das seitlich oder schräg von vorne auf das Motiv fällt. Gegenlicht, etwa von einer hellen Lichterkette direkt hinter einer Person, bringt die Belichtungsautomatik durcheinander und lässt das eigentliche Motiv zu dunkel werden.

Kerzenschein und Mischlicht

Kerzen und warmweiße Lampen erzeugen eine gemütliche Stimmung, stellen den automatischen Weißabgleich aber vor Probleme. Mischt sich das warme Licht mit kaltem Licht von Bildschirmen oder Leuchtstoffröhren, entstehen unschöne Farbstiche. Wer kann, schaltet störende Lichtquellen aus oder stellt den Weißabgleich manuell auf eine feste Einstellung.

Ruhig halten, langsam bewegen

Bei wenig Licht wirken sich Wackler besonders stark aus. Ein paar einfache Gewohnheiten helfen:

  • Die Kamera mit beiden Händen halten und die Ellbogen am Körper abstützen.
  • Sich an eine Wand, einen Pfosten oder einen Tisch lehnen.
  • Schwenks langsam und gleichmäßig ausführen.
  • Für längere Aufnahmen ein kleines Stativ oder eine Halterung nutzen.

Der digitale Zoom sollte im Dunkeln möglichst vermieden werden. Er vergrößert nur einen Bildausschnitt und damit auch das Rauschen. Besser ist es, ein paar Schritte näher an das Motiv heranzugehen.

Einstellungen, die sich lohnen

Viele Smartphones und Kameras bieten die Möglichkeit, Belichtung und Fokus per Fingertipp festzulegen. So springt die Helligkeit nicht ständig hin und her, wenn Lichter durchs Bild wandern. Auch eine niedrigere Bildrate kann bei schwachem Licht helfen, weil jedes einzelne Bild etwas mehr Licht bekommt. Für ruhige Szenen wie einen Adventsnachmittag am Tisch reicht das völlig aus.

Bei schnellen Bewegungen, etwa tanzenden Kindern, ist dagegen eine höhere Bildrate sinnvoller, auch wenn das Bild dann etwas rauschiger wird. Hier muss man zwischen Schärfe und Rauschen abwägen.

Nachbearbeitung mit Augenmaß

Viele Schnittprogramme bieten Funktionen zur Rauschreduzierung und Farbkorrektur. Sie können einiges retten, sollten aber vorsichtig eingesetzt werden. Zu starke Entrauschung lässt Gesichter und Flächen wachsartig wirken. Oft genügt es, die dunkelsten Bereiche nicht zu stark aufzuhellen und den Farbstich leicht zu korrigieren. Ein Video aus der dunklen Jahreszeit darf ruhig dunkel aussehen, solange das Wichtige gut erkennbar ist.